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Da scheiden sich die Geister September 3, 2008 R. Schmidt 3 aus 5 fanden die folgende Rezension hilfreich
Getroffene Hunde bellen - und wenn ich mich hier bei den Rezessionen so umgucke dann hoere ich sehr viel Gebell! (-: Es gib ja auch kein Thema das mehr polarisiert als die Erziehung und Ausbildung unserer Kinder. Man kommt dabei um die Tatsache nicht umhin, dass hier so Einiges schief laeuft in den letzten Jahren! Herrn Winterhoffs Buch scheint mir in diesem Zusammenhang als ein guter Beitrag zur Ursachenforschung. Wie mir eine befreundete Gymnasiallehrerin sagte, hat dieses Buch bei Ihr einige Aha-Effekte in Bezug auf das Verhalten Ihrer Schueler ausgeloest. Winterhoff betont ja auch immer wieder, dass er keinen Ratgeber schreiben wollte. Es ist, wie gesagt, Ursachenforschung die er betreibt. Viele der dabei geschilderten Phaenomene kommen zumindest mir aus meinem Alltag (Kinder von Freunden und Bekannten) erstaunlich bekannt vor. Es ist also nicht so, dass es sich hier um besondere schlimme Einzelfaelle handeln wuerde. Die Analyse des Verhaltens der Kinder wird sehr schluessig auf das Verhalten der Eltern, Lehrer und des sonstigen Umfeldes zurueckgefuehrt. Die Schlussfolgerung ist klar: Kinder brauchen Regeln und Grenzen sowie Vorbilder um sich zu zufriedenen Mitgliedern der Gesellschaft zu entwickeln und sie muessen ihrem Alter entsprechend behandelt werden. Kinder eignen sich also weder als Projektionsflaeche noch als Partner fuer Erwachsene - dafuer sind sie sowohl zu unreif als auch zu unerfahren. Merke: Jeder Vogel lernt das Fliegen von seinen Eltern - jedes Kind das Leben von seinen Eltern. Nichts geschieht hier automatisch.
Angriff auf die Demokratie ? August 27, 2008 Setora (Berlin) 1 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Nach dem Lesen des Buches habe ich mich gefragt, wieso es zu dieser chaotischen Erziehungs-Entwicklung kommen konnte. Vermutlich haengt dies auch mit der Demokratisierung unseres Landes zusammen. Die Kinder werden zu fruehzeitig auf demokratische Entscheidungsprozesse eingestimmt. Die Kinder sind dabei ueberfordert, weil ihre Reife fuer derartige komplexe demokratische Entscheidungsprozesse noch nicht ausgebildet ist. Das Paradoxe dabei ist, dass durch diese fruehkindliche demokratische Erziehung Diktatoren herangezogen werden. Offenbar macht es jedoch in der Rolle des Erwachsenen Sinn, dem Kind in der fruehkindlichen Entwicklungsphase als Diktator entgegenzutreten. Mit diktatorisch ist hier gemeint "Ich diktiere und das Kind darf lernen mit dikatorischen Strukturen umzugehen." Im reiferem Alter, darf das Kind dann gesellschaftlich hoeherentwickelte Kommunikationsverfahren von dem Erwachsenen erlernen. Dass die Erwachsenen nicht als Diktatoren gelten wollen kann ich auf Grund der deutschen Geschichte nachvollziehen. Ich vermute, dass in einer interessanten, abwechslungsreichen psychischen Entwicklung zum Erwachsenen, das Kind entsprechend seinem Reifegrad die bisher aufgetretenen gesellschaftlichen Formen und Normen durchlaufen darf. Das Kind uebt und wird dadurch immunisiert, in dem ich es mit dem "Unangenehmen" konfrontiere und nicht vor dem "Unzumutbarem" beschuetze.
Wichtige Diskussion, aber ohne konkrete Loesungsvorschlaege August 27, 2008 lady_stgermain 3 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Autor reisst eine gesellschaftliche Entwicklung an, die sich immer deutlicher abzeichnet: Viele Kinder und Jugendliche zeigen ernsthafte Entwicklungs- und Persoenlichkeitsstoerungen, verhalten sich auffaellig respektlos gegenueber Erwachsenen, oder kommen selbst einfachen Anweisungen wie "Hol bitte Dein Buch heraus" nicht mehr nach. Wir alle werden durch bestimmte Sendungen mit Problemfaellen konfrontiert, wo Familie nicht mehr funktioniert, sondern nur noch ein Schauplatz von unertraeglichen Auseinandersetzungen geworden ist. Als Tochter von zwei Lehrern wuerde ich auch dem Autoren in seiner Beobachtung recht geben, dass diese Problemfaelle in den letzten Jahren gehaeufter aufgetreten sind. Frueher gab es bei meinen Eltern an der Schule keine ADS- Kinder, heute ist eigens ein Schulpsychologe fuer diese Kinder angestellt worden. Winterhoff geht mit dem Instrumentarium eines Psychaters an die Analyse dieser Faelle und kommt zum Schluss, der eigentliche Fehler liege in einer partnerschaftlichen Erziehung der Eltern. Die kindliche Psyche sei aber noch nicht darauf ausgerichtet, wie die eines Erwachsenen zu funktionieren. Kinder brauchen Anleitung und Steuerung von Erwachsenen, um zu lernen, was gesellschaftsfaehiges Verhalten ist. Man koennte die Botschaft des Buches unter "Lasst Kinder wieder Kinder sein" und "Erwachsene, traut Euch, wirklich erwachsen zu sein. " zusammenfassen. Grundlegend denke ich, dass er mit diesem Ansatz - weg von der partnerschaftlichen Erziehung- recht hat. Was mich allerdings gestoert hat - und deswegen gibt es auch nur vier Sterne- ist dass sich Winterhoff vor konkreten Antworten zur Problemloesung drueckt. Er wolle nur die Probleme aufzeigen, damit jeder selber daran arbeiten kann, so argumentiert er. Es macht aber oft den Eindruck, als scheue er sich davor, Stellung zu beziehen, z.B. als er die Diskussion "Watsche oder nicht" anreisst, ohne konkret eine Meinung dazu zu vertreten. Wie genau sich Eltern angemessen als Erwachsene verhalten sollen, das ueberlaesst er der Fantasie jedes einzelnen. Eine rein autoritaere Erziehung lehnt er allerdings auch ab. Weiterhin gestoert hat mich noch der teilweise sehr trockene Stil. Es machte auf mich den Eindruck, als wuerde jemand an der Uni ein Referat zu einer Seminararbeit halten. Lebendig zu lesen sind eigentlich nur die Beispiele im Buch. Ich habe aber schon viele sehr anschaulich und interessant geschriebene Sachbuecher im Regal stehen, neben denen dieses Buch stilistisch eindeutig verliert. Ich gebe vier Sterne, da das Buch eine wichtige Diskussion im Brennpunkt des Zeitgeschehens anreisst, und der Autor seiner Grundaussage meiner Meinung auch Recht hat. Allerdings haette ich mir von Winterhoff mehr konkrete Loesungswege und Anleitungen, wie man es denn besser machen soll, gewuenscht. Insofern kann ich die Leser verstehen, die das Gefuehl haben, von ihm ein wenig im Regen stehen gelassen zu werden.
Methodisch unangemessen August 26, 2008 K., Ingrid 7 aus 18 fanden die folgende Rezension hilfreich
Eigentlich haette Winterhoff sein Grundproblem selbst erkennen muessen. Gegen Ende des Buches naemlich sagt er selbst, er habe soziologische Aussagen getroffen - mit den Mitteln eines Psychiaters. Das aber kann nicht funktionieren. Ein Psychiater verfuegt nicht ueber das Instrumentarium, gesamtgesellschaftliche Aussagen zu treffen. Und so ist auch Winterhoff immer dann gut, wenn er individualpsychologische Zusammenhaenge erklaert - und immer dann schlecht, wenn er ueber gesellschaftliche Zustaende daherbrabbelt. Winterhoffs Darstellung nach sind ganze Generationen von Kindern schwer gestoert, wird der Anteil der psychiatrischen Faelle immer groesser - aber Belege fuer seine quantifizierenden Angaben gibt er nicht. Manchmal laesst er Experten zu Wort kommen, bei denen schleierhaft bleibt, worin ihr Expertentum besteht. "Eine Hauptschullehrerin" beispielsweise darf sich ueber das Niveau von SchuelerInnen aeussern. Warum aber ausgerechnet diese Lehrerin? Warum nicht eine andere aus diesem oder einem anderen Kollegium? Was macht sie repraesentativ?? Keine Angabe. Meine Vermutung: Winterhoff bezieht seine "Experten" aus seinem persoenlichen Bekanntenkreis. Das aber ist unserioes. Winterhoff haette ein gutes Buch schreiben koennen, wenn er bei dem geblieben waere, was er kann. Die psychologischen Zusammenhaenge, die er erlaeutert, sind ja interessant. Haette er doch besser einen Ratgeber geschrieben als eine Gesellschaftsanalyse! Oder haette er sich doch auf 15 Seiten beschraenkt! Interessant ist uebrigens, dass Winterhoff einen allgemeinen Verlust an Allgemeinbildung beklagt (den er auf hanebuechene Weise fundiert) und als Massstab immer seinen eigenen Jahrgang heranzieht, bei dem die Allgemeinbildung angeblich noch in Ordnung gewesen sein soll. Gleichzeitig faellt auf, dass spaetestens auf jeder fuenften Seite ein Fehler in der Kommasetzung oder der Gross-/Kleinschreibung zu beklagen ist. Wer ueber Bildungsverfall bei den Nachgeborenen lamentiert, darf sich solche Patzer nicht erlauben.
Ein ueberfluessiger Kauf August 23, 2008 Nele Nachtigall 3 aus 18 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich habe mich noch nie so geaergert, ein Buch gekauft zu haben. Mit Muehe habe ich es geschafft, das Buch bis zu Ende zu lesen. Es ist schlecht geschrieben, der Autor wiederholt ein und die selbe These fast auf jeder Seite (uebrigens tut er das auch noch in diversen Talkshows). Es mag ja sein, dass er in seiner Praxis mit vielen in ihrer Entwicklung gestoerten Kinder zu tun hat. Vielleicht muss er sich ja mal in diversen Kindereinrichtungen davon ueberzeugen, dass sich die meisten Kinder voellig normal verhalten.
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